Pressemitteilung

Haegue Yang
Kasse, Shop, Kino und Weiteres

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
21. Oktober 2004 bis 9. Januar 2005


Die koreanische Künstlerin Haegue Yang erhielt 2001 den Maria Sibylla Merian Preis des Landes Hessen. Anlässlich dieser Verleihung zeigt das Hessische Landesmuseum Darmstadt eine Auswahl ihrer neuesten Arbeiten. Ausgebildet an der Städelschule und Meisterschülerin von Georg Herold, verbindet Haegue Yang verschiedenste Medien zu einer konzeptionell konzent-rierten und formal spannungsvollen Präsentation. Im Zentrum ihres Werks steht die Auseinandersetzung mit den alltäglichen Wahrnehmungs- und Kommunikationsstrukturen in unserem urbanen und persönlichen Umfeld, in städtischen, beruflichen und privaten Räumen, aber auch im Kunstbetrieb. Dabei geht es ihr nicht um das Offensichtliche, es sind die oftmals wenig auffälli-gen und dennoch umso mehr spürbaren und unser Leben bestimmenden Gegenstände, Räume, Plätze, Wege, Verbindungen und Kontakte, die sie interessieren.

Speziell für die Ausstellung im Hessische Landesmuseum greift sie direkt in die Besucher-wegestruktur ein. In einer umfassenden Rauminstallation werden die Kasse und der Museums-shop Teile ihrer Präsentation. Die Verlagerung dieser heute immer mehr zum Zentrum werden-den Einrichtungen in den Ausstellungsraum provoziert die Frage nach deren Stellenwert und der Position des künstlerischen Objekts. Der Besucher muss zur Kasse und wird zugleich Teil einer künstlerischen Präsentation, ohne sich räumlich von ihr trennen zu können. Es ent-steht eine Spannung, die nur über eine Neuorientierung im Raum und eine Neubewertung der Objekte zu reflektieren ist.
In unmittelbarer Nachbarschaft 'lagert’ die Arbeit „Storage piece“ (1999-2003), eine große Anzahl früherer Werke der Künstlerin aufs engste zusammengerückt, verpackt und somit verborgen, aber zugleich durchaus verfüg- und prinzipiell erwerbbar: ein Potential an Raumentfal-tung, das aber an dieser Stelle keinen realen, sondern nur einen vorstellbaren 'Platz’ hat.
Diese Installationen werden ergänzt von der mehrteiligen Fotoarbeit „9 x 13 = 36“ (2003), die Details verschiedenster städtischer Räume zeigt. Sie ergeben in sich eine vollkommen neue, gleichsam irreale Struktur. In dem Werk „Illiterate Leftovers/Analphabetische Überbleib-sel“ (2003) führt Haegue Yang in einer Projektion leere Faxseiten vor, deren Inhalt auf eine nur vorgestellte Kommunikation verweist, die in ihrer physischen Präsenz dennoch ganz real bleibt (siehe dazu das Künstlerbuch). Die Videoarbeit „Unfolding places“ (2004) komplettiert die Ausstellung mit einem filmischen Streifzug durch die Straßen von Seoul und London voller Zufälligkeiten und faszinie-render Details, verbunden mit einem Text, der die Spannung zwischen sinnlicher Wahrneh-mung und sprachlicher Reflexion eindrucksvoll spüren lässt.

Konzept: Haegue Yang
Organisation: Dr. Klaus-D. Pohl, Dr. Lutz Fichtner
Presseinfo: Dr. Klaus-D. Pohl
Pressekonferenz: Mittwoch, 20.Oktober 2004, 11 Uhr
Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 20. Oktober 2004, 19 Uhr
Zur Ausstellung erscheint ein Künstlerbuch: Haegue Yang. The Pages (256 S., Preis: 25 Euro; Revolver. Archiv für aktuelle Kunst oder im Museum).



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