
Richard-Meier-Allee
Wandmalerei
Ausgehend von einem eigenen Naturbegriff sucht Haegue Yang nach den versteckten
Stellen im Stadtbild, die sich dem Passanten nicht sofort offenbaren, sondern an
eher unauffälligen Plätzen und Straßen zu finden sind.
Diese Natur ist nicht erhaben, sondern alltäglich und kann doch gerade in ihrem eher
unspektakulären Auftreten eine große Bedeutung entfalten. So fotografiert die Künstlerin
bereits über einen längeren Zeitraum kleine Pflanzen, die trotz Asphalt und Beton ihre
Lücke im System des modernen Stadtraums finden.
Die Richard-Meier-Allee, in ihrem Titel eine Anspielung an den Architekten des Neubaus,
ist als Wandmalerei abstrahierende Wiedergabe dieser spezifischen Naturbetrachtung.
Als Verbindung von städtischer Struktur und pflanzlichen Elementen, ist die Allee ein
künstlich geschaffenes Konstrukt.
Die Wandarbeit nimmt zunächst formal Bezug auf die architektonische Struktur des Korridors.
Die versetzte Symmetrie des Ganges strukturiert den Farbrhythmus. Die vertikal eingeteilten
Farbflächen an den Wänden sind in unterschiedlichen Grün- und Brauntönen schattiert. Kleine
Farbaussparungen anstelle der Türbeschilderung werden mit Bleistift beschriftet, so dass trotz
strenger Gliederung des Raumes eine provisorische Situation vermittelt wird. Dieser kleine
Eingriff ironisiert und bestätigt die große Geste der Farbfeldmalerei.
-Anja Casser & Beate Engel
KunstPraxis, Siemens Arts program, 2001
next
back